Chronik

 

Was gibt es Wissenswertes und Interessantes aus der Vereinsgeschichte für die Zeit von 1906 bis heute zu berichten?

Der Verfasser einer Chronik ist, wenn er über einen so langen Zeitraum wie 100 Jahre informieren soll, auf mündliche Überlieferungen, auf zum Teil unvollständige Protokollauszüge und auf eigene Recherchen und Vorstellungskraft angewiesen. Was war die Absicht von neun Männern, als diese am 6. März 1906 einen Verein gründeten? Ganz sicher wissen wir jedoch, dass es den Gründern Spaß machte, anderen Bürgern Freude zu bereiten und dazu beizutragen das Leben abwechslungsreicher und vor allen Dingen geselliger und humorvoller zu gestalten. Freundschaft, Kameradschaft und Verständnis für die Belange der Mitmenschen waren wichtige Eigenschaften, die auch in die bald aufgestellten Statuten als wesentliche Bestandteile aufgenommen wurden. Johann Willenberg (erster Gründungsvorsitzender), Johann Schroer (Vereinswirt), Wilhelm Hochkirchen, Franz Kreidner, Adalbert Marienfeld, Johann Niemeyer, Max Storp, Franz Trunkart und Wilhelm Vogel hatten mit der Gründung der "Theater-Gesellschaft" bereits in den Anfängen soviel Erfolg und Sympathie bei den Rellinghauser Bürgern gefunden, dass sich als Folge davon der Kreis der Mitglieder schnell vergrößerte. 

Was würden die Gründer heute sagen oder denken, wenn sie noch miterleben könnten, welche Entwicklung ihre "Theatergesellschaft", die jetzige 1.Ruhrländische Karnevals Gesellschaft Gemütlichkeit Essen - Rellinghausen innerhalb von 100 Jahren genommen hat? Feiern jedenfalls konnte die "Gemütlichkeit" schon immer. So wurde bereits das fünf jährige Bestehen zum Anlass genommen, ein Jubelfest zu veranstalten, bei dem immerhin siebzehn Vereine als Gäste teilnahmen. Die internen Versammlungen fanden regelmäßig - meist monatlich - statt und boten für die Mitglieder Gelegenheit, alle Fragen und Probleme offen zu diskutieren. Der Kassenbestand betrug laut Versammlungsprotokoll im Mai immerhin die stolze Summe von 270,00 DM. Diese Kassenlage erlaubte im September 1930 einen kuriosen Versammlungsbeschluss, der den Mitwirkenden an einer bevorstehenden Veranstaltung insgesamt 10 Mark für den Besuch eines Friseurs zugestand. Dagegen bestehen heute so "haarige" Zeiten, dass jedes Mitglied seinen Friseur selbst bezahlen muss.

Zum 25-jährigen Jubiläum zählte die Gesellschaft 34 aktive und 35 passive Mitglieder. Man zog ein großes Jubelfest auf. Ein glanzvoller, prächtiger Festzug sowie die Kranzniederlegung am Ehrenmal und ein gut besuchter Festabend in der Sängerhalle waren Höhepunkte eines unvergessenen Tages. Am Montag nahm man dann gemeinsam an einem Requiem für die verstorbenen und gefallenen Mitglieder teil. Ein gemütliches Zusammensein am Nachmittag - bei einem ausgedehnten Kaffeetrinken - beschloss den Tag. Da die Veranstaltungen meist mit einem finanziellen Minus endeten, mussten die Mitglieder finanzielle Opfer bringen, um bei der Durchführung der traditionellen Weihnachtsfeier eine Bescherung der Kinder möglich zu machen. Zum Ende der dreißiger Jahre und während des Krieges fanden keine Veranstaltungen statt. Die Ebbe in der Kasse forderte von den Verantwortlichen großen Einfallsreichtum. So beschloss man, sich mit einem Los auf Kosten des Vereins bei der Preußischen Klassenlotterie zu beteiligen. Die Glücksfee meinte es gut und man gewann den stolzen Betrag von 100 Mark. Auch während der Kriegsjahre hielt man monatlich eine Mitgliederversammlung ab. Das Zusammenhalten sollte gleich nach Kriegsschluss belohnt werden. Es begann ein großer Aufschwung mit gut besuchten Sitzungen. Die Veranstaltungen fanden bei Vogenbeck statt und wurden vom Präsidenten Hubert Schmitz gemeinsam mit Maria Hettgen und dem Damen-Elferrat geleitet. Die Leistungsfähigkeit der "Gemütlichkeit" hatte sich schnell herumgesprochen, so dass Einladungen zu auswärtigen Sitzungen nicht ausbleiben konnten. 

Bei Eintrittspreisen von 1 DM Anfang 1950 kostete eine 6-Mann-Kapelle für eine Sitzung 100 Mark, während die Büttenredner 2 bis 3 Biermarken erhielten und das Publikum nicht durch Fernsehsendungen verwöhnt war. Die Mitgliederzahl (aktive) stieg über 28 (1951) auf 34 (1953) an.

Zum 50-jährigen Jubiläum, das It. Protokoll genauso schön gefeiert wurde wie das 25-jährige Bestehen, erhielt die Gesellschaft vom Oberbürgermeister der Stadt Essen DM 100,00 für die Vereinskasse. Interessant ist zu dieser Zeit auch folgender Versammlungsbeschluss. "Alle Mitglieder sollen zum Gelingen des Jubiläumsfestes beitragen. Wer aus der Reihe fällt oder glaubt, durch Vereinsnörgelei den Abend stören zu müssen, muss eine Geldstrafe entrichten". Ob auf diese Weise die Kasse aufgefrischt wurde, konnte der Chronist nicht ermitteln.

Aus den folgenden Jahren gibt es nicht viel Aufregendes zu berichten. Die Gemütlichkeit hielt die üblichen Sitzungen und Versammlungen ab. Letztere waren offensichtlich nicht immer gut von den Mitgliedern besucht. So waren im Oktober 1965 ganze 7 Mitglieder erschienen, die den einstimmigen Beschluss fassten, dass die Damen im Jubiläumsjahr 1966 je eine Schachtel Pralinen erhalten sollen. 

Aktive Mitglieder, die sich in der Vergangenheit um die Gesellschaft besonders verdient gemacht haben, sollen hier einmal in beliebiger Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit aufgeführt werden.Es sind dies neben den Gründern:
Josef Hochkirchen, Karl Musebrink, Willi Ouadt, Paul Kreidner, Frau Buik, Clemens und Willi Heiderich, Theo Horn, Peter Siepmann, Maria und Ludger Hettgen, Günter Lohre, Hubert Schmitz, Albert Lümmen, Brigitte Otters, Ewald Funder, Willi Zumbrink, Franz-Josef Trunkart, Günter Arnsmann, Heinz Wesch, Hans Vogel, Willi und Hans Willenberg, Stefan Werner, Hans Buik, Hubert Denkhaus. Eldor Dilba, Johann und Theo Zensen, Werner Trunkart, Adolf, Heinz und Hermann Bredenfeld. Der langjährige Vorsitzende Herbert Lüdtke und die Kassiererin Karin Meyer haben großen Anteil an der positiven Entwicklung der Gesellschaft.

Unsere Gesellschaft hat die Sitzungen weitgehend in dieser Zeit mit eigenen Kräften bestritten. Es muss daher als Besonderheit angesehen werden, dass 1969 ein auswärtiger Büttenredner engagiert wurde, um angeblich die Popularität anzuheben. 1973/74 wurden lange Diskussionen geführt, ob Frauen als aktive Mitglieder aufgenommen werden sollen. Heute können wir uns die Durchführung von Veranstaltungen ohne die Hilfe unserer aktiven Frauen nicht mehr vorstellen. 

Das 70-jährige Vereinsjubiläum feierten wir mit einer großen Jubelsitzung im neu ernannten Vereinslokal "Im Stiftskrug", Inhaber: Peter Grönebaum. Es hatten sich viele Ehrengäste und eine große Narrenschar eingefunden. 

1977 und 1981 stellten wir mit unserem damaligen Mitglied Hans Weck und seiner Frau Margarethe das Prinzenpaar der Stadt Essen und 1980 mit Ulrike Lüdtke die Kinderprinzessin.

Die Feiern zum 75-jährigen Jubiläum fanden in der Aula des Stadtwald-Gymnasiums - im Rahmen eines großen Empfangs und einer Prunksitzung - statt. Die gegebenen großzügigen Räumlichkeiten erlaubten uns, Vertreter von vielen Vereinen einzuladen, so dass wir einen sehr guten Zuspruch hatten.

Anlässlich unseres 80-jährigen Bestehens gaben wir einen Empfang in unserem Vereinslokal, der von gut 40 Abordnungen Rellinghauser Vereine und Essener Karnevalsgesellschaften besucht wurde. Wir erhielten in den Ansprachen viel Lob und auch geschmackvolle Geschenke. Ende 1985 schlossen sich unserer Gesellschaft einige tanzfreudige Mädchen und Jungen an, die unter dem Namen "Black-White-Dancer" als unsere Tanzgruppe bei allen Veranstaltungen dabei war. Der erste Auftritt der Tanzgruppe erfolgte 1986 während unserer Prunksitzung und wurde ein voller Erfolg. Das Publikum wusste zu schätzen, was die jungen Leute in Eigeninitiative - ohne Trainer und ohne choreographische Beratung - in kurzer Zeit auf die Beine gestellt hatten. Die Tanzgruppe hatte bis zu 20 aktive Mitglieder, trainierte zweimal wöchentlich, und war auch im Essener Karneval bekannt und beliebt. Auch außerhalb von Karnevalsveranstaltungen - z.B. bei Herbstfesten, Stadtteilfesten, Weihnachtsfeiern und Betriebsfesten - wurden gute Leistungen bei Show- Garde- und Folkloretänzen gezeigt, die fast immer mit verlangten Zugaben endeten. Leider hat sich die Tanzgruppe wegen Nachwuchsmangel und überalterung aufgelöst, wobei die ehemaligen Tänzerinnen und Tänzer jedoch überwiegend im Verein verblieben.

Der im Mai 1953 von elf "Gemütlichen" gegründete Fanfarenzug konnte 1988 sein 35-jähriges Jubiläum feiern. Das Gründungsmitglied Josef Torberg ist heute noch Mitglied im Gesamtverein. Die Leitung des Fanfarenzugs ging in Reihenfolge von Werner Brand auf Hans-Joachim Schandrach, Günter Arnsmann, Wolfang Fendel, Jörg Göbel, Sigi Schnackenberg, Hansi Müller, Petra Lüdtke, Denis Erzmoneit auf Michael van der Löcht über. Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums haben wir einen eigenen Orden herausgegeben. Den Fanfarenzug mussten wir 2000 leider auflösen, nach dem es zu Unregelmäßigkeiten gekommen war.In der Session 86/87 stellten wir mit unserem Mitglied, Brigitte Otters, die charmante Prinzessin für das Prinzenpaar der Stadt Essen.

In der Kampagne 88/89 stellte sich unsere damalige Schriftführerin, Brigitte Otters, erneut als Stadtprinzessin zur Verfügung und nach dem im gleichen Jahr unser Mitglied, HansJoachim Draganski, als Stadtprinz fungierte, kam das komplette Prinzenpaar von der "Gemütlichkeit Rellinghausen". Leider musste der Rosenmontagszug in Essen 1990 wegen des schlechten Wetters (Sturm) ausfallen, obwohl sich bereits alle Gesellschaften mit ihren Wagen am Ausgangspunkt aufgestellt hatten. In guter Erinnerung ist uns der Besuch im Rathaus der Stadt Essen, zu dem unsere neue Ehrensenatorin, Frau Annette Jäger, als Oberbürgermeisterin Mitglieder des Vorstandes und Jubilare unserer Gesellschaft 1990 eingeladen hatte. 

Zu unserem 90-jährigen Jubiläum fand am 21. Januar 1996 in unserem damaligen Vereinslokal „im Stiftskrug" der Jubiläumsempfang statt. Hierzu wurden Abordnungen der Rellinghauser Vereine sowie von ca. 40 Essener Karnevals-GesellschaftenAls wir 2006 unser 100-jähriges Bestehen feierten, veranstalteten wir seit 27 Jahren in Folge unsere jährliche große Prunksitzung in der Aula des Stadtwald Gymnasiums (heute Gesamtschule Süd). 

Neben unserer Tanzgruppe und eigenen Büttenrednern konnten wir in den vergangenen Jahren Stars aus dem In- und Ausland verpflichten. Nicht wenige davon waren aus Funk und Fernsehen bekannt und garantierten besondere Höhepunkte des ca. 5 Stunden dauernden Programms. Der Chronist hat 2006 im Jubiläumsjahr zugleich 25 Jahre als Präsident und Programmgestalter der Gesellschaft fungiert.

Die Mitgliederzahl der "Gemütlichkeit" hat sich so erfreulich entwickelt, dass wir mit ca. 160 aktiven und passiven Vereinsangehörigen unser 100-jähriges Jubiläum feiern konnten. Es ist dies die höchste Mitgliederzahl seit der Gründung. 

Auf politischer Ebene sind Ex-OB Annette Jäger, Altbürgermeister Hanns Sobek und Ex-Bürgermeister Thomas Fresen seit vielen Jahren bei uns Ehrensenatoren. 

Seit vielen Jahren engagieren wir uns im sozialen Bereich. Aus Einnahmen, die wir durch Teilnahme am jeweiligen Dorftest in Rellinghausen erzielten und die durch Spenden einiger Mitglieder aufgestockt wurden, konnten wir jährlich an bedürftige Einrichtungen spenden. 

Dank des Angebotes unseres Ehrensenators Dr. Holthoff-Pförtner haben wir am 8.Januar 2006 im Zirkuszelt Roncalli am Jagdhaus Schellenberg einen Empfang veranstaltet, zu dem alle aktiven und passiven Mitglieder, Förderer und Gönner sowie Abordnungen aller Rellinghauser Vereine sowie der Essener Karnevalsgesellschaften eingeladen wurden. Oberbürgermeister Dr. Reiniger wurde unser neuer Ehrensenator, wobei CDU Generalsekretät Ronald Pofalla die Laudatio hielt.Dieser ist inzwischen auch Ehrensenator unserer Gesellschaft Die bekannten Essener Politiker und Mitbürger aus unserem Einzugsbereich Reinhard Paß (Laudatio durch Bürgermeisterin Fr. Annette Jäger) und Hans Schippmann (Laudatio durch Altbürgermeister Hanns Sobek) wurden ebenfalls Ehrensenator, so dass wir uns über vier prominente, neue Mitglieder freuen konnten.

1997 gründeten wir ein Männerballett mit zunächst 6 Tänzern. Martina Temme und Martina Meyer waren einige Jahre die Trainerrinnen des Balletts, das sich den vielsagenden Namen"Sauhaufen" gab. Inzwischen hat die Truppe unter der Leitung von Silvia Olschewski und Conny Jansen 12 Tänzer und hat sich zu einem leistungsstarken Team entwickelt. Die Auftritte bei unseren Sitzungen werden bejubelt und es werden stets Zugaben verlangt.

Seit 2012 haben sich Sonja Sassenbach und Conny Jansen sehr für den Aufbau einer Kindertanzgruppe (ab 7 Jahren) eingestzt. Nach anfänglich 5 Mitgliedern verfügen die"Glamour Kids" nunmehr über 12 Tänzerinnen, die mit Begeisterung und viel Herz während des ganzen Jahres üben und seit der Session 2012 sowohl in dewr Gala- als auch in der Damensitzung bei unseren Besuchern für viel Freude sorgen. Eine neue Zukunft hat begonnen. 

Seit 2 Jahren hat unsere Gesellschaft ein neues, junges gewähltes Präsidententeam. Wir wünschen Martina Meyer und Philip Jansen viel Freude und Erfolg für die kommenden Jahre. Werner Meyer, der 31 Jahre die Gesellschaft führte, wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt und steht natürlich weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung.

In den vergangenen Jahren ab 2006 hatte sich unsere Mitgliederanzahl mehr als erfreulich entwickelt, so dass wir von 160 auf derzeit 263 aktive und passive Mitglieder gewachsen sind. Ein gutes Zeichen der Beliebtheit unserer Gesellschaft bei der Bevölkerung.

Seit 2013 sind wir juristisch ein eingetragener Verein , dürfen also e.V. in unserem Namen führen.

Sporadisch ernennen wir verdiente, ums wohlgesonnene Bürger zu Ehrensenatoren. Seit unserem 100jährigen Bestehen, also seit 1906, sind Ex-Bundesminister Ronald Pofalla, Vereinswirt Wolfgang Kerwer, MdB Petra Hinz, RA Klaus Sälzer, Matthias Hauer und Pastor Wilfried Hirschler ernannt worden, so dass wir z.Zt. 12 Ehrensenatoren haben.


Zum Abschluss dieser Chronik möchten wir uns bei allen Bürgern, Freunden, Förderern und Mitgliedern für das in der Vergangenheit gezeigte Interesse bedanken. Helfen Sie uns bitte durch Ihre Unterstützung und den Besuch unserer Veranstaltungen, auch künftig das schöne Brauchtum "Karneval in Rellinghausen" aufrechtzuerhalten. 

Werner Meyer

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